Nach ihm ist das Weibliche die Ursubstanz der Schöpfung, der Nährboden des Lebens. Doch in unserer Kultur ist die Beziehung zu diesem Weiblichen gebrochen. Es ist einerseits ersehnt und doch zugleich mit unbewusster Angst und einem großen Wunsch nach Kontrolle darüber verknüpft.
In dieser Aufstellung ging es um die Heilung unserer Beziehung zu dieser empfangenden Kraft, aus der unsere sichtbare Wirklichkeit und das Leben entsteht: das Urweibliche.
Aufstellungsbeginn: Wir / die Teilnehmer, das Urweibliche, das gute Leben für uns und die Erde, das wir uns aus der Herzensliebe heraus wünschen.
Wir sind zu Beginn in einer ambivalenten Beziehung zum Urweiblichen. Ein Teil sehnt sich danach und möchte mit ihm verschmelzen, hat aber gleichzeitig Angst davor, dass sich diese Sehnsucht zu einem realen Impuls wird, weil damit schon viele schlechte Erfahrungen gemacht wurden. Ein anderer Teil in uns will sich sowieso abgrenzen und hat Angst, sich im Urweiblichen zu verlieren. Er hat Angst, dass sich das Ich im Meer des Urweiblichen auflöst.
Das Urweibliche irrt in der Aufstellung zunächst im Raum umher, weil es keinen Platz bei uns hat. Wir möchten es nicht zu nahe bei uns haben. Die konkrete physische, materielle Ebene, die eigentlich ein Ausdruck des Urweiblichen im Konkreten ist, haben wir zu einer Art Mauer, dem Urweiblichen gegenüber gestaltet, um eine Abgrenzung aufrechtzuerhalten. Denn der Ich-Kraft fällt es unheimlich schwer, seine Konturen und Grenzen zu halten, wenn das Urweibliche ohne "Schutzmauer" dazwischen in der Nähe ist.
Das Urweiblliche war ganz erschöpft und genervt von dem ewigen Hin und Her von ersehnt und gleichzeitig zurückgestoßen werden. Aus der Sicht unseres Ichs erschien es wiederum wie ein uferloses Meer, in dem es unglaublich schwer ist, die eigenen Grenzen aufrechtzuerhalten.
Wie konnte sich dieses Dilemma auflösen? Das Urweibliche hatte sein eigenes Ich auf unser Ich projiziert und war nicht mehr damit verbunden. Wir konnten in der Aufstellung dem Urweiblichen in uns seine Ichidentität zurückgeben. Dies nahm sofort viel Spannung aus dem Raum. Auf ein Mal, war es für unser Ich leicht, die eigenen Grenzen und Identität im Kontakt mit dem Urweiblichen aufrechtzuerhalten. Und das Urweibliche konnte unser Ich und Individualität ehren und achten.
Dies war der wesentliche Kern der Aufstellung.
Ergänzend dazu zeigten sich noch einige archetypischen Kräfte in ihrer Beziehung zum Urweiblichen.
Das Männliche, tauchte auf, dass uns und unserem Ich guttat. Hier standen aber noch Heilungsschritte auf der Gefühlsebene an und das Männliche brauchte es noch geehrt zu werden in seiner Würde und Göttlichkeit.
Ein pubertärer Anteil zeigte sich noch in seiner Aufgabe, zuerst sein eigenes Ich und dann mit diesem Ich seinen Platz in der Welt zu finden. Es ist ein Schritt aus dem kleinen weiblich mütterlichen Raum der Mutter und der Familie herauszutreten und in dem großen Raum des Lebens, der von der Urmutter getragen wird, sein Ich zu entfalten. Ihm halfen dabei Wertschätzung und ein emotionaler Freiraum.
Auch die archetypische Mutter in unserer Kultur zeigte sich. Die anfangs reine Empfänglichkeit ohne gesunde Ich-Grenzen des Urweiblichen war für sie eine große Herausforderung, mit der Gefahr ungewollter Empfänglichkeit und Schwangerschaft und Überlastung in ihrer Rolle als Mutter. Mit Willensanspannng und ihrer Macht als Mutter versuchte sie, eine Ordnung in ihrem Sinne aufrechtzuerhalten.
Dabei hatte sie eine Wut auf die ihr gegenüberliegende archetypische Kraft: das Krieger-Männliche als Hüter der Ich-Kraft. Das Krieger-Männliche konnte das Ich nicht gesund mit dem Weiblichen und Urweiblichen verbinden und lebte es stattdessen als Ego, das Grenzen überschritt und das Weibliche zu beherrschen suchte, um nicht davon verschlungen zu werden.
In dem Wunsch, das männliche Ego unter Kontrolle zu bekommen, entwickelte die Mutter selbst ein Ego im negativen Sinn.
Das Krieger-Männliche brauchte Herzensliebe und Geehrtwerden, um zu einer positiven Gestalt zu werden. Diese stand dann dem Urweiblichen als Gegenpol gegenüber in einer dann tiefen, innigen, wertschätzenden Beziehung.
In der Aufstellung zeigte sich weiter ein Feld der Magie, das das Urweibliche als Schöpfergrundstoff manipuliert hatte. Dieses galt es ebenso noch aufzulösen, wie wir noch dunkle Kräfte und Wesen in Verbindung mit der göttlichen Quelle ins Licht schicken mussten. Wir hatten diese dunklen Kräfte zu uns und auf die Erde eingeladen als Hilfe, als wir im Kampf um unser Ich und dessen Abgrenzung standen.
Am Ende konnte alles an seinen richtigen Platz kommen und wir mit unserem Ich standen in einer harmonischen Beziehung zum Urweiblichen und dessen konkreten Ausdruck in der Materie und dem Weiblich in den Menschen.
Am Anfang der Aufstellung schien es fast, als wäre und bliebe es eine unerreichbare Utopie, hier auf der Erde ein auf allen Ebenen ein gutes Leben konkret zu manifestieren. Jetzt aber, in einer guten, harmonischen Verbindung mit dem Urweiblichen, sah dies ganz anders aus. Eine neue Zeit auf der Erde muss jetzt für uns nicht mehr ein Traum bleiben, der nie konkrete Wirklichkeit wird, sondern eine Vision, die wir in Verbindung mit dem Urgrund des Seins, dem "Nichts, das alles werden kann" erfolgreich konkret manifestieren können.
Zitat-Quelle: Llewellyn Vaughan-Lee: "Die Matrix des Lebens", Arbor Verlag
siehe hier: https://www.arbor-verlag.de/b%C3%BCcher/spiritualitaet-nahrung-fuer-die-seele/die-matrix-des-lebens