Die gesunde Beziehung zwischen Männern und Frauen, zwischen dem männlichen und weiblichen Prinzip in uns und in der Gesellschaft ist die Grundlage für vieles vieles anderes. In dieser Aufstellung konnten nun wichtige Schritte geschehen, die sich in den letzte Malen vorbereitet hatten.
Viel alte Schwere konnte sich lösen und ganz entscheidende falsche Glaubenssätze in der Beziehung der Geschlechter konnten sich zeigen und lösen.
Auch für das ungesunde Ego, das unsere Welt so stark prägt, zeigte sich ein wichtiger Ursprung und Heilungsweg.
Aufstellungsbeginn: Der Mann, die Frau
Der Mann mit seiner Männlichkeit steht in der Mitte des Raums. Er sagt: Ich stehe hier im Mittelpunkt und bin der "King". Ich bin der Macher und gestalte die Welt. Die Frau mit ihrer Weiblichkeit sehe ich kaum, höchstens als Dienerin.
Die Frau mit ihrer Weiblichkeit sitzt am Rand: Ich bin eher unterdrückt, traurig und auch wütend, zeige es aber nicht so nach außen. Und ja, mit meiner Weiblichkeit fühle ich mich in einer dienenden Rolle. Ich habe den Impuls aufzustehen und diese dienende Rolle zu verlassen, aber noch ist es nicht frei.
Wir nehmen die Herzebene zwischen Mann und Frau dazu. Sie fühlt sich einerseits sehr groß an, trägt aber viele Wunden und Narben und Verletzungen in sich. Sie fühlt sich ständig in Gefahr, wieder übergangen und verletzt zu werden. Sie fühlt sich auch vom Mann und der Frau zurückgewiesen, wobei der Mann gar nichts von ihr wissen will, die Frau sich aber eigentlich danach sehnt.
Auch die (gesunde) Ich-Kraft bei Mann und Frau nehmen wir noch dazu. Sie hat bei beiden aber keinen Platz. Irgendwo ist zu spüren, dass dafür das (ungesunde) Ego sehr viel Raum einnimmt. Das gesunde Ich und ist nicht in der Kraft. Beim Herz kann es aber einen Platz finden.
Der Mann: Ich halte das hier drin gar nicht aus. Diese Gefühlsduselei und ewiges Beschäftigen mit Trauma und Verletzungen! Ich will etwas tun und im Handeln sein.
Er geht auf mehr Abstand und würde am liebsten raus gehen.
Es wirkt alles wieder zäh und mühsam. (Wie beim letzten Mal.) Wir nehmen dazu, was Lösung verhindert. Es zeigt sich daraufhin viel Schwere und viel Energie im Kopf und ein verschlossenes Kronenchakra. Wir gehen in die Stille und halten für eine Zeit diese Schwere und Zähigkeit aus, ohne wegzugehen oder eine schnelle Lösung zu suchen. Das ist schon gut und hilfreich und irgendwann entsteht der Impuls, dass der Herzraum sich dieser Schwere etc. annimmt. Jetzt kann hier heilende Energie strömen. Das geht einige Zeit, bis diese Schwere gehen kann.
Die Frau mit ihrer Weiblichkeit kann nun ihrem Impuls aufzustehen und ihren Bereich (die Opferzone) verlassen. Sie geht in die Mitte zum Mann.
Jetzt können sich Mann und Frau zum ersten Mal begegnen und gegenübertreten. Es fühlt sich einerseits nach Augenhöhe an. Andererseits muss der Mann sehr in seine physische Präsenz gehen, um diese Augenhöhe zu halten, und auch die Frau spürt eine ständige Versuchung, sich über den Mann zu stellen.
Die Ich-Kraft zwischen beiden fällt in eine Art tiefen Schlaf oder Bewusstlosigkeit.
Wir versuchen, die Ich-Kraft zu heilen und stellen dazu, was sie braucht. Es gelingt aber nicht, sie aufzuwecken. Es zeigen sich nun zwei hindernde Glaubenssätze:
1. "Die Frau ist dem Mann überlegen, weil sie mit der Erde, der Materie und der Mutterkraft direkt verbunden ist." Das glauben unbewusst sowohl Frau als auch Mann. Wobei der Mann noch die Ergänzung hat: "Darum muss ich schauen, dass ich immer oben und in der Macht bin und am Machen bin, damit diese prinzipielle Unterlegenheit nicht zum Tragen kommt.
Wir fragen, ob dieser Glaubenssatz wirklich der Wahrheit entspricht. Woraufhin er irgendwann gehen kann, weil dies nicht der Fall ist. Die Wahrheit ist, dass der weibliche, materielle Pol und der männliche, geistige Pol zwei gleichwertige Ausdrucksformen des Göttlichen sind. Mann und Frau hatten in diesem Fall beide eher den physischen, materiellen Pol im Blick gehabt.
Als Kind, vor allem in der Embryonalzeit, erleben wir die Mutter wie das Leben selbst. Der Mann sagt noch: "Ich muss gut mit dem Kind in Kontakt sein und es mit dem erwachsenen Mann in Verbindung halten, um die Gleichwertigkeit und Augenhöhe des Männlichen zu spüren und zu halten."
2. "Als Mann und Frau müssen wir das Ich auflösen, um die Verbindung / Verschmelzung miteinander zu erleben." Das war auch ein starker Glaubenssatz in der Mann-Frau-Beziehung.
Er hat das gesunde Ich eingeschläfert und indirekt das Ego erschaffen, wie später noch deutlich wurde.
Es zeigte sich die Ursache für diesen Glaubenssatz: Wir hatten in der Trennung das Eins-Sein mit dem göttlichen Weiblichen und Männlichen verloren und in der Mann-Frau Beziehung Ersatz in einer Verschmelzung durch Auflösung unseres Ichs gesucht. Das war nicht der gesunde Weg.
Irgendwann konnten wir diesen falschen Glaubenssatz gehen lassen und der Mann sagte zur Frau: "Ich achte dich in deiner Andersartigkeit und ich achte mich selbst in dem, was ich in meiner Männlichkeit bin."
Jetzt erwachte das gesunde Ich langsam etwas zum Leben.
Die Selbstheilungskraft des Ich kam noch dazu und löste einen nächsten Schritt aus: Jetzt ging es der Herzebene sehr schlecht. Sie sah ganz bleich aus und fühlte eine große Trauer und das Gefühl zu sterben.
Als Grund zeigte sich jetzt das ungesunde Ego in aller Deutlichkeit. Es füllte den Raum aus und zog alle Aufmerksamkeit und Energie zu sich. Alle anderen wirkten jetzt blass, müde und erschöpft. Das Ego suchte danach, eine Show zu inszenieren, auf der Bühne zu stehen, um von allen gesehen und gehört zu werden.
In dem Ego verborgen zeigte sich ein innerer Kind-Anteil. Der Wunsch bei Mann und Frau nach Auflösung des Ichs bei ihnen hatte dem Ich des Kindes den guten Platz genommen. Dadurch wurde es zu dem ungesunden Ego, das dauernd in einem Mangelgefühl war und sich selbst aufblies und wichtig machte, um gesehen und gehört zu werden.
Nachdem sich dies lösen konnte, brauchte das Herz noch einen Raum tiefer Stille und Zuwendung, um heilen zu können. Dann konnte es sich wieder liebevoll mit dem Ich verbinden. Das Herz war jetzt gereift und auch wie mehr erwachsen geworden, durch die ganzen Erfahrungen. Jetzt war es nicht mehr grenzen- und bedingungslos und auch schutzlos in seiner Liebe, sondern verankerte sich in den Grenzen und auch dem Schutz des gesunden Ichs.
Am Ende konnten sich Mann und Frau mit einem gesunden Ich auf gesunde Weise auf Augenhöhe begegnen und verbinden.